Ijsselmeer - Segeltörn vom 25.05. - 01.06.1997

 

Ausgangs- und Treffpunkt am 25.05. war Lelystad/Flevo Marina. Dort hatten wir bei KM - Yachtcharter eine Feeling 346 gechartert. Flevo Marina ist eine recht große auf künstlich gewonnenem Land angelegte Hafenanlage auf dem Landstrich zwischen Veluwemeer und südlichem Ijsselmeer. Man hat dort Versorgung für jeden Bedarf, eine gemütliche Bar und ein angenehmes und mit guter Küche bestücktes Restaurant.

Zum Vercharterer:

Nachdem wir ihn etwa 1 Stunde vergeblich gesucht hatten, mußte er uns leider mitteilen, daß die Feeling mit Maschinenschaden ausfällt und wir statt dessen als Ersatz eine dieses Jahr gebaute Dehler 35 erhalten würden. Hinsichtlich der Betreuung durch den Vercharterer gibt es objektiv folgendes zu bemerken: Ein Skipper freut sich sicher, wenn er für den Check-In nicht länger als 10 Minuten benötigt, weil ihm zugetraut wird, daß er alles kennt und er, wenn etwas fehlt, den Mitarbeitern Bescheid gibt. Wenn der Check-Out 1 Woche später - nach 3 stündiger Wartezeit mit Ermahnungen alle 3/4 Stunde - mit der Bemerkung "Ist etwas kaputt? Nein? Dann laßt den Schlüssel stecken, ich mach das später." erledigt wird, mag jeder Segler sich selbst eine Meinung bilden, ob das gut oder schlecht ist.

Zum Schiff und der Ausrüstung:

Die Dehler 35, Schiffsname "DehlerIum", ist ein sehr schönes Schiff mit angenehmen Segeleigenschaften und uneingeschränkter Starkwindtauglichkeit (bis 8 ausprobiert). Sie war in der bestehenden Ausstattung problemlos durch zwei bis drei Personen segelbar (GPS, Roll-Genua, Main-Lock Groß-Reff). Komfort herrscht bei 4 Mann Besatzung, 6 Personen sind über einen nicht zu langen Zeitraum ebenfalls fahrbar. Das vom Konstrukteur grundsätzlich geschickt geschnittene sehr große Ruderrad hatte den einzigen Nachteil, daß es aufgrund einer großen Übersetzung zu weich reagierte und damit z.B. Kurse vor Starkwind für den Rudergänger zu einer durchaus artistischen Schwerstarbeit machen kann. Fehlender Festmacher und klemmende Winschkurbel wurden von den Mitarbeitern des Vercharteres sofort ergänzt bzw. ausgetauscht, die Seenotausrüstung hatte allerdings mehr die Qualität eines minderwertigen Tischfeuerwerks. Auf unseren entsprechenden Einwand erhielten wir die Erwiderung, daß die meisten Chartergäste nur auf dem Ijsselmeer und nicht auf die Nordsee hinausfahren würden und das dafür ausreicht. Auch darüber mag sich jeder seine eigene Meinung bilden. Allerdings bleibt in dem Zusammenhang zu erwähnen, daß der Vercharterer auch Ausbildungsbetrieb des DSV ist.

Logbuch:


Ab Montag 26.5. 0900 Lelystad Kurs NNO. Schwachwind stetig zunehmend bis 5 in Böen 6, sodaß wir den ursprünglichen Gedanken noch durch Kornwerderzand ins Wattenmeer zu segeln, besonders aufgrund fortschreitender Seekrankheit eines Crewmitgliedes verwarfen; 1800 an Hindeloopen; Tagesstrecke 31nm; beim Hafenmeister bezahlen, danach Platzzuweisung, 35 Fuß kosten 26 NLG, bei der Platzzuweisung (Platz 94 - 1,40m) kann es passieren, daß exakt unter Kiel Untiefenbuckel ist, was zwar zu wunderbar ruhiger Nachtlage beiträgt, am nächsten Morgen zum Ablegen jede Menge Verwirrung bis hin zur verzweifelten Annahme irgendeiner unbekannten Tide erzeugte. In Hindeloopen sehr zu empfehlen ist das Restaurant "t´Kalkoentje", Buren 1, 8713 KA Hindeloopen, Tel. 0514-521257 (am Deich - Westseite). Die Crew entschied sich aufgrund der bordüblichen Gier für einheitlich Scholle "satt", und wir können sagen, daß wir sicher einige Zeit brauchen werden, um dieses opulente und außergewöhnlich schmackhafte Abendessen zu vergessen.

Dienstag 27.5. 1500 ab Hindeloopen Kurs W, Wind 6 zunehmend. 1730 an Yachthafen Medemblik zu später Kaffeepause mit frühem Abendbrot. Keine besonderen Vorkommnisse. 2000 ab Medemblik Kurs SO, später S. Wind 7 in Böen 8 aus nördlicher Richtung. Anspruchsvolles Segeln. Großschoters Brille muß bei Nothalse Härtetest bestehen. 0000 an Lelystad/Flevo Marina; Tagesstrecke 37,5nm;

Mittwoch 28.5. Birgit und Klaus Jürgen heuern nach dem Frühstück ab; 1200 ab Lelystad Kurs NOO, Wind 4-5 aus N; 1445 an Urk Gemeindehafen; Rundgang mit Imbiss, Kauf einer neuen der Krängung geopferten Thermoskanne; 1545 ab Urk; 1715 an Lelystad; Tagesstrecke 17nm; Kurt und Wilhelm heuern an.
Besondere Vorkommnisse:
BV Borussia Dortmund - Juventus Turin (Champions League Finale) 3 : 1

Donnerstag (Fronleichnam) 29.5., 1030 ab Lelystad; Kurs W, Schwachwind bis 2; 1200 Schleuse "Houtribsluizen" in Markermeer; 1720h motoren in Nordseekanal; 1800 Schellingwonderbrug; 1810 Oranje Sluizen; 1845 an Amsterdam WDSV Sixhaven; Tagesstrecke 25nm; Sehr freundlicher Hafenmeister; 19NLG Gebühr; 1,25NLG Duschmarke, Pendelfähre zum Hbf. sofort westlich des Hafens (über Kanalbrücke); Bäckerei und Supermarkt östlich des Hafens auf der Meeuwenlaan, ca. 400m Bäcker und 800m Supermarkt Dirk van de Grouw. Rundgang im Redlightdistrict und Speisung in nicht allzu empfehlenswertem (zwar gut aber zu teuer und nicht sehr gemütlich) Asiaten unaussprechlichen Namens. Danach Bierprobe in belgischer Fachkneipe unter Leitung von Jean-Luc.

Freitag 30.5. 0930 ab Amsterdam, Kurs OSO, Wind 3 sonnig, 1200 Motor aus Kurs NNW; 1530 an Hoorn
Gemeindehaven; Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln, letzte Karlskronen (!!); Rundgang mit Einkauf und Kaffee im Freien; 1730 ab Hoorn Kurs OSO; 2200 Schleuse Enkhuizen; 2230 im Päckchen an Enkhuizen Yachthaven; Tagesstrecke 47nm; Hafen vermutlich wegen des Wochenendes sehr voll, Wasser und Strom aus Münzautomaten am Steg, Viele Schiffe haben Päckchenlieger ablehnende Schilder außenbords. Zum Tagesabschluß Pannekoeken á la Skipper special.

Samstag 31.5. 1030 ab Enkhuizen, Kurs ONO, Wind 3 sonnig, 1240 an Stavoren "Oude Haven"; Hafen wurde nach und nach sehr voll, wegen eines Musikfestivals; Rundgang und sehr guter und preiswerter Imbiss in der "Vis Snack Hal" direkt am Kai; Crew besorgt noch Matjes und schafft mit dem beeindruckenden Hinweis "unser Skipper sagt, die dürfen nicht mehr als 2,50NLG kosten" einen bemerkenswerten Nachlaß von 50 cent. Leider liegen Skippers zur Mitnahme nach Hause gedachten Matjes immer noch fröhlich stinkend verpackt in eine Plastiktüte vergessen beim letzten Abschiedsbier in der Hafenbar von Lelystad. 1400 ab Stavoren; Kurs SSW; 1800 Manöverübungen vor Flevocentrale; 2000 an Lelystad/Flevo Marina; Tagesstrecke 34,5nm; Gesamttörndistanz 193nm
Flevo Marina ist völlig überfüllt, da dort die sich inzwischen etablierte NRW-Regatta durchgeführt wurde.

Gesamteindruck: perfektes Revier mit ausnahmslos interessanten und optisch enorm ansprechenden Häfen. Sehr hübsche Orte, durchweg angenehmes Preis-Leistungsverhältnis, auch für Familien geeignet. Strecken können individuell von sehr kurz 16-20nm bis sehr lang 80-90 oder mehr nm gewählt werden. Auch das Hinaussegeln (von uns bei dieser Gelegenheit nicht praktiziert) ins Wattenmeer ist sehr reizvoll.

Bordsprache:

Aufgrund der teilweise recht unterschiedlichen Landsmannschaft ergaben sich natürlich auch recht unterschiedliche Interpretierungen der gängigen see(fach)männischen Ausdrücke. So mußten wir z.B. lernen, daß in der belgischen Marine "oh, oh, oh!!" soviel bedeutet wie: "Sofort Maschine stopp! Steuerbordachterleine hat wooling und ist in der Schleusenklampe vertörnt. Wenn wir weiter eindampfen knallt der Rumpf gegen die Schleusenwand." Da ist die belgische Kurzform doch wesentlich effektiver. Weiterhin konnten wir lernen, daß das Landstromkabel durchaus auch als "der blaue Festmacher" bezeichnet werden kann und auch die flämische Aussprache "Kürbel" für Winschkurbel setzte sich sehr schnell durch.

  

Und das war die "Crew": Skipper (und auch verantwortlich für diese Seite) Dietrich Oberg, Jean-Luc Clarembeau/Dielheim, Klaus Kirste/Sandhausen, Klaus-Jürgen Riesterer/Walldorf, Birgit Oberg, Rüdiger Kerstan/Osterode, Kurt Johann/Ranstadt und Wilhelm Behrens/Nidda

 

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Weitere Informationen zum Ijsselmeer:

  Niederländisches Büro für Tourismus, Postfach 270580, 50511 Köln, FON 0221-925717-27, FAX 0221-925717-37
  Europäischer Segel-Informationsserver
VVV Noord-Holland oder e-Mail zum VVV-Almaar


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